Zum Inhalt springen
Samstag, 7. November 2026

Damenmode-Filialist in der Krise

Liberty Damenmoden insolvent: Was die Insolvenz für Filialen, Beschäftigte und Kundinnen bedeutet

Die Modekette Liberty Damenmoden aus dem westfälischen Lübbecke, bekannt als „Liberty Woman“, hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Bielefeld hat am 5. November 2026 ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren angeordnet. Die 115 Filialen in Deutschland und Österreich bleiben vorerst geöffnet – welche Standorte langfristig bleiben, ist aber offen.

Redaktion Klar informiert ·
KI-gestützt recherchiert

Stilvolle Frau blättert durch Kleidung in einem modernen Modegeschäft.
Foto: Ron Lach / Pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Liberty Damenmoden GmbH aus Lübbecke hat beim Amtsgericht Bielefeld ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt.
  • Das Gericht hat am 5. November 2026 ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren angeordnet und Rechtsanwalt Hans-Joachim Berner zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
  • Alle 115 Filialen – 109 in Deutschland und sechs in Österreich – sowie der Onlineshop laufen nach Unternehmensangaben vorerst normal weiter.
  • Betroffen sind rund 600 Beschäftigte; ihre Löhne sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate abgesichert.
  • Als Gründe nennt das Unternehmen ein schwieriges Marktumfeld, weniger Kundschaft in den Innenstädten und eine schwache Nachfrage nach Herbst- und Wintermode.
  • In den kommenden Monaten sollen Filialnetz und Kosten auf den Prüfstand – Schließungen einzelner Standorte sind damit nicht ausgeschlossen, eine Liste gibt es bislang nicht.

115

Filialen, davon 109 in Deutschland und 6 in Österreich

Quelle: Unternehmensangaben, laut t-online und leinetal24, Stand November 2026

rund 600

Beschäftigte der Liberty Damenmoden GmbH

Quelle: TextilWirtschaft / Neue Westfälische, November 2026

16

Filialen in Niedersachsen

Quelle: leinetal24, Stand November 2026

3 Monate

maximale Dauer, für die das Insolvenzgeld Löhne absichert

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Was ist bei Liberty Damenmoden passiert?

Die Liberty Damenmoden GmbH mit Sitz in Lübbecke (Kreis Minden-Lübbecke, Nordrhein-Westfalen) ist zahlungsunfähig beziehungsweise davon bedroht und hat beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht gab dem Antrag nach Angaben des Unternehmens mit Beschluss vom 5. November 2026 statt und ordnete zunächst ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren an. Das Unternehmen machte den Schritt am Donnerstagabend öffentlich, seit Freitag berichten zahlreiche Medien bundesweit.

Liberty verkauft unter der Eigenmarke „Liberty Woman“ Damenmode im mittleren Preissegment. Nach Unternehmensangaben betreibt die Kette 115 Filialen, davon 109 in Deutschland – darunter zwei Outlets – und sechs in Österreich. Hinzu kommt ein Onlineshop. Beschäftigt werden laut Fachmagazin TextilWirtschaft und Neuer Westfälischer rund 600 Menschen. Damit zählt Liberty zu den größeren Filialisten für Damenmode im deutschsprachigen Raum.

Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht den Rechtsanwalt Hans-Joachim Berner von der Kanzlei KösterBerner Sanierungsrecht bestellt. Die Geschäfte führt weiterhin Geschäftsführer Oliver Lübbenjans.

Bleiben die Liberty-Filialen geöffnet?

Vorerst ja. Nach Angaben des Unternehmens läuft der Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen weiter. Alle Filialen bleiben während des Sanierungsverfahrens geöffnet, auch der Onlineshop ist erreichbar. Kundinnen können also wie gewohnt einkaufen.

Die Filialen verteilen sich über weite Teile Deutschlands. Regionalmedien berichten etwa über betroffene Standorte im Rheinland – der General-Anzeiger nennt die Filiale in Siegburg – und in Niedersachsen. Dort betreibt Liberty laut einer Aufstellung von leinetal24 16 Geschäfte, unter anderem in Braunschweig, Celle, Gifhorn, Goslar, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, Salzgitter und Wolfsburg. Weitere Filialen gibt es zum Beispiel in Hessen und Thüringen.

Ob alle Standorte langfristig erhalten bleiben, ist offen. Ziel der Sanierung ist laut Unternehmen eine umfassende Neuausrichtung: In den kommenden Monaten sollen das Filialnetz, die internen Abläufe und die Kostenstrukturen überprüft werden. Bei vergleichbaren Verfahren im Modehandel endete das häufig mit der Schließung weniger rentabler Läden. Eine Liste mit Filialen, die schließen sollen, hat Liberty bislang nicht veröffentlicht (Stand: 6. November 2026).

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?

Die Eigenverwaltung ist eine Form des Insolvenzverfahrens, die auf die Sanierung eines Unternehmens zielt, nicht auf seine Abwicklung. Anders als im Regelverfahren übernimmt kein Insolvenzverwalter die Kontrolle. Die bisherige Geschäftsführung bleibt im Amt und steuert die Restrukturierung selbst. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter überwacht sie dabei und achtet auf die Interessen der Gläubiger. Die rechtlichen Grundlagen stehen in den Paragrafen 270 ff. der Insolvenzordnung.

Ein Gericht ordnet die Eigenverwaltung nur an, wenn das Unternehmen eine nachvollziehbare Planung vorlegt und eine Sanierung realistisch erscheint. Am Ende steht in der Regel ein Insolvenzplan, über den die Gläubiger abstimmen. Er legt fest, wie das Unternehmen weitergeführt wird und welchen Teil ihrer Forderungen die Gläubiger erhalten.

Derzeit läuft das vorläufige Verfahren. Üblicherweise dauert diese Phase einige Wochen bis etwa drei Monate. Danach entscheidet das Gericht, ob es das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet.

Was gilt jetzt für die Beschäftigten?

Für die rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist zunächst wichtig: Ihre Gehälter sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Es ersetzt das Nettoentgelt für bis zu drei Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. In der Praxis wird das Insolvenzgeld bei Verfahren dieser Art oft vorfinanziert, sodass die Löhne weiter pünktlich fließen.

Arbeitsverträge bleiben durch den Insolvenzantrag unberührt. Kündigungen sind im Insolvenzverfahren zwar unter erleichterten Bedingungen möglich, etwa mit einer verkürzten Kündigungsfrist von höchstens drei Monaten. Ob und wie viele Stellen wegfallen, hängt aber davon ab, welche Filialen die Sanierung überstehen. Dazu gibt es bislang keine Angaben.

Was Kundinnen jetzt wissen sollten: Gutscheine, Umtausch, Onlineshop

Da Filialen und Onlineshop weiterlaufen, ist Einkaufen bei Liberty zurzeit uneingeschränkt möglich. Bei Gutscheinen und Rückgaben gibt es in Insolvenzverfahren allerdings rechtliche Besonderheiten:

  • Gutscheine: Gutscheine, die vor dem Insolvenzantrag gekauft wurden, gelten rechtlich als Forderungen gegen das Unternehmen. Viele Händler lösen sie während der Sanierung trotzdem weiter ein, verpflichtet sind sie dazu aber nicht in jedem Fall. Ob Liberty Gutscheine weiter annimmt, konnten wir bis Redaktionsschluss nicht bestätigen. Wer einen Gutschein besitzt, sollte ihn möglichst zeitnah einlösen und im Zweifel in der Filiale nachfragen.
  • Umtausch und Rückgabe: Gesetzliche Gewährleistungsrechte bei mangelhafter Ware bestehen grundsätzlich weiter. Bei Onlinekäufen gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Kassenbon und Bestellbestätigung sollten aufbewahrt werden.
  • Forderungen anmelden: Wird ein Gutschein oder eine Erstattung nicht mehr bedient, können Betroffene ihre Forderung nach Eröffnung des Verfahrens beim Sachwalter zur Insolvenztabelle anmelden. Erfahrungsgemäß erhalten Gläubiger dann aber nur einen Bruchteil zurück.

Warum ist Liberty insolvent – und wie geht es weiter?

Als Gründe für die Schieflage nennt das Unternehmen ein herausforderndes wirtschaftliches Umfeld, sinkende Kundenfrequenzen im stationären Handel und eine schwache Saisonnachfrage. Konkret verwies Liberty laut leinetal24 auf eine

„saisonal, primär wetterbedingt aktuell unterdurchschnittliche Nachfrage nach Herbst- und Wintermode“

Liberty ist damit kein Einzelfall. Der Modehandel steht seit Jahren unter Druck: Weniger Menschen kaufen in den Innenstädten ein, Online-Konkurrenz und hohe Kosten für Mieten, Energie und Personal belasten vor allem Filialisten. In den vergangenen Monaten gerieten unter anderem der Damenmodehersteller Marc Aurel, der Filialist Herzog & Bräuer und das Modehaus Wormland in Insolvenzverfahren.

Für Liberty ist es nicht die erste Krise. Bereits 2009 durchlief das Unternehmen ein Insolvenzverfahren. Damals legte es einen Insolvenzplan vor, das Verfahren wurde nach rund fünf Monaten aufgehoben. Ob das diesmal gelingt, hängt davon ab, wie stark das Filialnetz verkleinert werden muss und ob Vermieter, Lieferanten und Gläubiger den Sanierungsplan mittragen. Die nächste wichtige Etappe ist die Entscheidung des Amtsgerichts Bielefeld über die Eröffnung des Verfahrens, die üblicherweise nach Ende des vorläufigen Verfahrens fällt.

Chronologie

  1. 6. November 2026

    Die Insolvenz wird bundesweit bekannt. Filialen und Onlineshop bleiben laut Unternehmen geöffnet. t-online.de

  2. 5. November 2026

    Das Amtsgericht Bielefeld ordnet ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren an und bestellt Hans-Joachim Berner zum vorläufigen Sachwalter. Liberty informiert am Abend. nw.de

  3. Juli 2026

    Laut TextilWirtschaft betreibt Liberty 113 Filialen einschließlich der Standorte in Österreich. textilwirtschaft.de

  4. 31. August 2009

    Das Amtsgericht Bielefeld hebt das damalige Insolvenzverfahren nach Bestätigung eines Insolvenzplans auf – rund fünf Monate nach der Eröffnung. meyer-rechtsanwaelte.com

  5. 31. März 2009

    Das Amtsgericht Bielefeld eröffnet ein erstes Insolvenzverfahren über die Liberty Damenmoden GmbH. meyer-rechtsanwaelte.com

  6. 1979

    Liberty verlegt seinen Sitz nach Lübbecke und beginnt mit der Expansion.

  7. 1976

    Gründung des Modefilialisten in Herford.

Häufige Fragen

›Ist Liberty Damenmoden pleite?

Die Liberty Damenmoden GmbH aus Lübbecke hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Bielefeld hat am 5. November 2026 ein vorläufiges Verfahren angeordnet. Ziel ist eine Sanierung, nicht die Schließung des Unternehmens.

›Schließen die Liberty-Filialen?

Vorerst nicht: Alle 115 Filialen und der Onlineshop bleiben nach Unternehmensangaben geöffnet. Das Filialnetz wird in den kommenden Monaten aber überprüft, einzelne Schließungen sind möglich. Eine Schließungsliste gibt es bislang nicht.

›Kann ich Liberty-Gutscheine noch einlösen?

Ob Liberty Gutscheine weiter annimmt, ist bislang nicht offiziell bestätigt. Gutscheine aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag sind rechtlich Forderungen gegen das Unternehmen. Kundinnen sollten sie möglichst bald einlösen und in der Filiale nachfragen.

›Bekommen die Liberty-Mitarbeiter weiter ihr Gehalt?

Ja. Die Löhne der rund 600 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate abgesichert.

›Was ist Insolvenz in Eigenverwaltung?

Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen selbst. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren – bei Liberty ist das Rechtsanwalt Hans-Joachim Berner.

›Warum ist Liberty insolvent?

Das Unternehmen nennt ein schwieriges Marktumfeld, sinkende Kundenzahlen in den Geschäften und eine wetterbedingt schwache Nachfrage nach Herbst- und Wintermode.

Quellen

  1. Neue Westfälische: Lübbecker Modeunternehmen „Liberty Woman“ beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung
  2. TextilWirtschaft: Liberty ist insolvent
  3. t-online: Große Mode-Kette meldet Insolvenz an – 115 Filialen betroffen
  4. leinetal24: Große Mode-Kette mit mehreren Läden in Niedersachsen insolvent
  5. regionalHeute.de: Liberty Damenmoden meldet Insolvenz an
  6. Meyer Rechtsanwälte: Liberty Damenmoden GmbH – Insolvenzverfahren 2009 aufgehoben

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben. So arbeiten wir