Drohwelle in Europa
Bombendrohungen gegen irische Medien: RTÉ geräumt – Serie trifft nach Flügen nun Redaktionen
Nach drei Wellen von Bombendrohungen gegen Passagierflüge in Europa hat es am Freitag auch irische Medien getroffen: Der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ, der „Irish Independent“ und die Radiosender Newstalk und Today FM mussten ihre Gebäude in Dublin räumen. Die Drohungen erwiesen sich als falsch. Die irische Regierung spricht von einer wahrscheinlich koordinierten Störkampagne. Wer dahintersteckt, ist offen.
Redaktion Klar informiert ·
Geprüft von Marcel Golob am 7. November 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Am Freitag, 6. November 2026, gingen bei RTÉ und anderen irischen Medienhäusern per E-Mail Bombendrohungen ein. Die Gebäude in Dublin wurden geräumt.
- Betroffen waren neben RTÉ auch der „Irish Independent“ sowie Newstalk und Today FM. Drohmails erhielten außerdem der bulgarische Sender Nova TV, der britische Sender Sky meldete eine Sicherheitsbedrohung.
- Sprengsätze wurden nicht gefunden. Die irische Regierung stufte die Drohungen als falsch ein und hält eine koordinierte Störkampagne für wahrscheinlich.
- Seit Dienstag, 3. November, gab es mehrere Wellen von Bombendrohungen gegen Passagierflüge in Europa. Laut einer Zählung des „Guardian“ waren bis Freitag mindestens 53 Flüge betroffen, eine amtliche Gesamtzahl gibt es nicht.
- Am Freitag führten nach dpa-Angaben mindestens vier der bedrohten Flüge durch den deutschen Luftraum. Wer hinter der Serie steckt, ist bislang nicht geklärt.
mind. 53
Passagierflüge in Europa von Bombendrohungen betroffen (3. bis 6. November 2026)
Quelle: Zählung des „Guardian“, zitiert nach airportzentrale.de
mind. 27
betroffene Flüge allein am 5. November 2026
Quelle: Reuters/RTÉ
4
am 6. November bedrohte Flüge, die durch den deutschen Luftraum führten (mindestens)
Quelle: dpa
rund 50
Staats- und Regierungschefs beim Gipfel in Dublin am 12. November 2026
Quelle: The Journal
Was ist bei RTÉ und den anderen irischen Medien passiert?
Am Freitagmorgen, 6. November 2026, ging gegen 8.33 Uhr Ortszeit (9.33 Uhr deutscher Zeit) eine E-Mail mit einer Bombendrohung bei RTÉ und weiteren Medienhäusern ein. Das berichtet der irische Sender selbst. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk räumte daraufhin seinen Campus im Dubliner Stadtteil Donnybrook. Moderatorinnen, Moderatoren und Beschäftigte mussten die Gebäude verlassen. Die irische Polizei Garda Síochána rückte an, auch mit Kräften einer bewaffneten Einheit, und durchsuchte das Gelände mit Spürhunden.
RTÉ stellte vorübergehend auf vorproduzierte Sendungen um. Auf RTÉ Radio 1 lief zunächst Musik. Später sendete das Informationsprogramm aus einem mobilen Studio, das vor der Zentrale geparkt war. Nach Angaben der irischen Nachrichtenseite The Journal wurden außerdem das Redaktionsgebäude des „Irish Independent“ in der Dubliner Innenstadt und das Marconi House geräumt, in dem die Radiosender Newstalk und Today FM sitzen. Regionale Medien nannten zudem den „Irish Mirror“ und Virgin Media als betroffen.
Noch am Vormittag kehrten die Sender auf Sendung zurück. Die irische Regierung bestätigte, dass es sich um falsche Drohungen handelte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erreichten gleichlautende Drohmails auch den bulgarischen Fernsehsender Nova TV. Der britische Sender Sky meldete ebenfalls eine Sicherheitsbedrohung.
Wer steckt hinter den Bombendrohungen?
Das ist bislang nicht geklärt. Die E-Mails an die Redaktionen trugen laut Reuters den Betreff „Botschaft an den Westen“ und stammten von einem Absender, der sich „Michail Andropow“ nannte. Der Absender reklamierte darin auch die Drohungen gegen Flugzeuge für sich und kündigte weitere Angriffe auf Verkehrsmittel in Europa an. Ob der Name echt ist, ist unklar. Reuters konnte nicht bestätigen, wer die Mail verschickt hat. In Italien gingen bei Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern bereits am Donnerstag Drohungen ein, die angeblich von einer frauenfeindlichen rechtsextremen Bewegung stammten, die in Russland verboten ist.
Politisch wird die Serie bereits als mögliche hybride Bedrohung eingeordnet. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach im Sender RTVE von einem „Versuch hybrider Aggression und psychologischer Kriegsführung“. Ein Land nannte er nicht. Auch die Hackerangriffe auf Kühlanlagen von Supermärkten, die in diesen Tagen aus mehreren Ländern gemeldet werden, passten aus seiner Sicht in das Muster. Irlands Regierungschef Micheál Martin wollte sich dagegen nicht dazu äußern, ob Russland beteiligt sein könnte. Sicherheitsexperten halten es laut Reuters für möglich, dass zumindest einzelne Drohungen von Nachahmern stammen.
Belege für eine staatliche Steuerung gibt es bislang nicht. Behörden haben die Drohungen keiner Gruppe und keinem Staat zugeordnet.
Wie hängen die Drohungen gegen Medien und Flüge zusammen?
Die Drohungen gegen die Medienhäuser kamen am Ende einer Woche, in der der europäische Luftverkehr mehrfach gestört wurde. Am Dienstag, 3. November, erhielten mindestens sieben Flüge und ein Kreuzfahrtschiff Drohungen, unter anderem in Polen, Bulgarien, Italien und Spanien. Ein Flughafen in Warschau wurde kurzzeitig geschlossen. Am Donnerstag, 5. November, waren laut Reuters mindestens 27 Flüge betroffen – von Irland bis Bulgarien. Ein Airbus der Aer Lingus auf dem Weg von Dublin nach Rom landete in Begleitung von Kampfjets auf dem französischen Militärflugplatz Évreux.
Am Freitag folgte die dritte Welle mit mindestens 18 betroffenen Flügen nach Zählung des „Guardian“. Die EU-Kommission nannte für diesen Tag eine niedrigere Zahl. Ungarns Verteidigungsminister berichtete, Kampfjets hätten Maschinen auf den Strecken Brüssel–Sofia sowie Prag–Bukarest und Prag–Zypern durch den ungarischen Luftraum begleitet. Frankreich meldete vier neue Drohungen gegen Flugzeuge über seinem Gebiet. Alle Maschinen landeten sicher, Sprengstoff wurde nirgends gefunden.
Die irische Regierung sieht einen Zusammenhang zwischen beiden Serien als wahrscheinlich an. In ihrer Erklärung verweist sie darauf, dass die Drohungen gegen die Medien direkt auf die ähnlichen Drohungen im Luftverkehr folgten. Laut The Journal gab die Mail an RTÉ an, von derselben Gruppe zu stammen wie die Drohungen gegen die Airlines. Endgültig bestätigt ist der Zusammenhang aber nicht.
Was bedeuten die Bombendrohungen für Deutschland?
Deutschland ist bisher vor allem indirekt betroffen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur führten am Freitag mindestens vier der bedrohten Flüge durch den deutschen Luftraum. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA mit Sitz in Köln beteiligt sich am Austausch der Behörden. Für den Flughafen Frankfurt meldete die Bundespolizei bis Freitagmorgen laut dem Fachportal airportzentrale.de keine Beeinträchtigungen. Eine Entwarnung für alle deutschen Flughäfen lässt sich daraus nicht ableiten.
Von Drohungen gegen deutsche Redaktionen war in den ausgewerteten Berichten bis Samstagmorgen nicht die Rede. Parallel beschäftigen deutsche Sicherheitsbehörden aber die Hackerangriffe auf Kühl- und Gefrieranlagen von Supermärkten, von denen auch Betriebe in Deutschland betroffen sind. Nach Medienberichten haben sich dort inzwischen auch Nachrichtendienste eingeschaltet. Ob es eine Verbindung zu den Bombendrohungen gibt, ist offen.
Für Reisende bedeutet die Serie vor allem mögliche Verspätungen und Umleitungen. Wer betroffen ist, sollte den Anweisungen der Crew und der Behörden folgen. Bei Sicherheitsrisiken gehen Gerichte und Airlines in der Regel von außergewöhnlichen Umständen aus. Eine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung ist dann meist ausgeschlossen. Betreuungsleistungen wie Verpflegung oder eine Unterkunft muss die Fluggesellschaft bei langen Wartezeiten aber trotzdem erbringen.
Warum ist der Zeitpunkt in Irland so heikel?
Irland hat seit Juli die EU-Ratspräsidentschaft inne. Am Donnerstag, 12. November 2026, empfängt Dublin rund 50 Staats- und Regierungschefs zum Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft im Convention Centre. Am Tag darauf folgt dort ein informelles Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs. Irische Medien sprechen vom größten diplomatischen Ereignis in der Geschichte des Landes.
Verteidigungsministerin Helen McEntee hatte die Drohungen gegen Flüge schon am Donnerstag als äußerst besorgniserregend bezeichnet. Polizei und Streitkräfte bereiten sich nach ihren Worten darauf vor, die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. Quellen aus dem irischen Sicherheitsapparat vermuten laut The Journal, dass die Drohungen vor dem Gipfel Unruhe stiften sollen. Ein Vergleich drängt sich auf: Vor dem Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen im Herbst 2025 mussten in Dänemark mehrere Flughäfen wegen gemeldeter Drohnen schließen. Die dänische Regierung sprach damals von hybriden Angriffen.
Die irische Journalistengewerkschaft wertete die Drohungen gegen die Redaktionen als versuchten Angriff auf die Pressefreiheit. Ihr Generalsekretär Séamus Dooley forderte Notfallpläne für Medienhäuser, weil sich solche Vorfälle wiederholen könnten.
Wie geht es weiter?
In Irland ermitteln Polizei und Streitkräfte gemeinsam mit den Behörden für Cybersicherheit und Luftfahrt. Sie stehen nach Regierungsangaben in Kontakt mit Sicherheitsbehörden in anderen europäischen Ländern. Taoiseach Martin kündigte an, die Verantwortlichen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Er rief dazu auf, jede Drohung ernst zu nehmen und der Polizei zu melden.
Auf EU-Ebene beobachtet die Kommission die Lage gemeinsam mit den nationalen Behörden. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas hatte am Donnerstag gesagt, es sei zu früh, um zu beurteilen, ob die Vorfälle zusammenhängen. Spaniens Außenminister Albares räumte ein, dass es noch dauern werde, bis klar sei, wer hinter den Aktionen steckt. Angesichts des Gipfels in Dublin und der in den Mails angekündigten weiteren Aktionen rechnen die Behörden mit weiteren Störversuchen.
Es ist klar, dass das kein Zufall ist
it seems likely that this is a co-ordinated campaign of disruption
| Medium | Ort | Folgen |
|---|---|---|
| RTÉ (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) | Campus Donnybrook/Montrose, Dublin | Gebäude geräumt, vorproduzierte Sendungen, Radio 1 zeitweise aus mobilem Studio |
| „Irish Independent“ (Mediahuis) | Redaktion in der Dubliner Innenstadt | Vorübergehend geräumt |
| Newstalk und Today FM (Bauer Media) | Marconi House, Dublin | Geräumt, Sendungen unterbrochen, später Rückkehr ins Gebäude |
| „Irish Mirror“, Virgin Media | Dublin | Laut Regionalmedien ebenfalls geräumt (nicht offiziell bestätigt) |
Quelle: RTÉ, The Journal, Dundalk Democrat; Stand 6. November 2026
| Tag | Betroffene Flüge | Beispiele |
|---|---|---|
| Dienstag, 3. November | mind. 7 plus ein Kreuzfahrtschiff | Kurzzeitige Schließung eines Flughafens in Warschau, Kampfjets über Rom |
| Donnerstag, 5. November | mind. 27 | Aer Lingus Dublin–Rom landet in Évreux, Drohungen in Spanien, Tschechien, Dänemark |
| Freitag, 6. November | mind. 18 (Zählung „Guardian“) | Kampfjet-Begleitung über Ungarn, vier Fälle über Frankreich, mind. vier Flüge im deutschen Luftraum |
Quelle: Reuters, CBC, Euronews, dpa, airportzentrale.de; Stand 6. November 2026
Chronologie
6. November 2026
Die irische Regierung stuft die Drohungen gegen die Medien als falsch ein und hält eine koordinierte Störkampagne für wahrscheinlich. Spaniens Außenminister Albares spricht von hybrider Aggression. thejournal.ie
6. November 2026
Bombendrohungen per E-Mail gegen RTÉ, „Irish Independent“, Newstalk und Today FM: Die Gebäude in Dublin werden geräumt. Auch Nova TV in Bulgarien erhält eine Drohmail, Sky meldet eine Sicherheitsbedrohung. rte.ie
6. November 2026
Dritte Welle gegen Flüge: Laut „Guardian“ sind mindestens 18 Verbindungen betroffen, mindestens vier davon führen durch den deutschen Luftraum. airportzentrale.de
5. November 2026
Zweite Welle: Mindestens 27 Flüge sind betroffen. Eine Aer-Lingus-Maschine von Dublin nach Rom landet unter Begleitung von Kampfjets in Frankreich. Die EU hält es für zu früh, über einen Zusammenhang zu urteilen. rte.ie
3. November 2026
Erste Welle: Mindestens sieben Flüge und ein Kreuzfahrtschiff erhalten Bombendrohungen. Ein Flughafen in Warschau wird kurzzeitig geschlossen. euronews.com
Häufige Fragen
›Welche irischen Medien haben Bombendrohungen erhalten?
Am 6. November 2026 erhielten der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ, der „Irish Independent“ sowie die Radiosender Newstalk und Today FM Drohmails. Ihre Gebäude in Dublin wurden geräumt. Regionalmedien nannten außerdem den „Irish Mirror“ und Virgin Media.
›Waren die Bombendrohungen gegen RTÉ echt?
Nein. Polizei und Regierung stuften die Drohungen nach Durchsuchungen als falsch ein. Sprengsätze wurden weder in den Medienhäusern noch in einem der bedrohten Flugzeuge gefunden.
›Wer steckt hinter den Bombendrohungen in Europa?
Das ist offen. Die Mails an die Redaktionen stammten von einem Absender namens „Michail Andropow“, dessen Identität ungeklärt ist. Spanien spricht von hybrider Aggression, Belege für eine staatliche Steuerung gibt es bislang nicht.
›Sind auch Flüge in Deutschland von den Bombendrohungen betroffen?
Indirekt ja: Laut dpa führten am 6. November mindestens vier der bedrohten Flüge durch den deutschen Luftraum. Für den Flughafen Frankfurt meldete die Bundespolizei bis Freitagmorgen keine Beeinträchtigungen.
›Wie viele Flüge waren von den Bombendrohungen betroffen?
Eine amtliche Gesamtzahl gibt es nicht. Nach einer Zählung des „Guardian“ waren vom 3. bis 6. November 2026 mindestens 53 Passagierflüge betroffen, die dpa zählte mindestens 30 Drohungen.
Quellen
- RTÉ: RTÉ buildings evacuated following bomb threat (6.11.2026)
- RTÉ: Aer Lingus plane among 27 flights hit by bomb hoaxes (5.11.2026)
- The Journal: Broadcasters back on air as hoax threats deemed 'coordinated campaign of disruption'
- The Irish Times: Bomb threats at RTÉ, Irish Independent and Newstalk linked to pattern of ‘hybrid attacks’
- Euronews: Irish media outlets evacuate staff in Dublin following bomb threats
- Euronews: 'Too early' to say if Europe flight bomb threats linked, EU transport chief says
- Reuters via ThePrint: Newsroom bomb threats follow escalating European flight hoaxes
- CBC: What we know about Europe's latest wave of bomb threats targeting flights — and now newsrooms
- CBC: Bomb threats affect at least 27 flights
- airportzentrale.de: Mehr als 50 Bombendrohungen in einer Woche erschüttern europäischen Flugverkehr
- dpa-AFX via ariva.de: Behörden rätseln nach vielen Bombendrohungen im Flugverkehr
- dpa-AFX via boerse.de: Bombendrohungen – Spanien sieht hybriden Angriff auf Europa
- Salzburger Nachrichten: Neue Bombendrohungen gegen Flüge und Medien in Europa
- Dundalk Democrat: Staff at RTÉ and other major Irish media organisations evacuated
- tagesschau.de: Bombendrohungen auch gegen irische Medien
- n-tv: BND und Co. schalten sich nach Cyberangriffen auf Supermärkte ein
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben und von Marcel Golob redaktionell geprüft . So arbeiten wir