Zolgensma-Tumorfälle
Wie kann eine Gentherapie Krebs auslösen? AAV-Vektoren einfach erklärt
Novartis hat neun Tumorberichte bei Patienten bestätigt, die mit der SMA-Gentherapie Zolgensma behandelt wurden. In zwei Fällen fand sich Erbgut des Gen-Transporters im Erbgut der Kinder. Wie kann das passieren? Ein Überblick über AAV-Vektoren und ihr Risiko.
Redaktion Klar informiert ·
Geprüft von Marcel Golob am 7. November 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Seit der ersten Zulassung 2019 hat Novartis neun Berichte über Tumoren bei Patienten erhalten, die mit Zolgensma behandelt wurden (Stand: 6. November 2026).
- In zwei dieser Fälle fanden sich Hinweise, dass DNA des Gen-Transporters in das Erbgut der Patienten eingebaut wurde. Beide Kinder wurden behandelt und werden weiter überwacht.
- Ein weiterer Fall hat laut Berichten offenbar nichts mit Zolgensma zu tun. Bei den übrigen sechs Fällen ist ein Zusammenhang noch unklar.
- Weltweit wurden mehr als 6.000 Patienten mit Zolgensma behandelt.
- Zolgensma bringt mit einem abgewandelten, nicht vermehrungsfähigen Virus (AAV9) eine gesunde Kopie des SMN1-Gens in die Zellen.
- Dass sich Vektor-DNA zufällig ins Erbgut einbauen und so Tumoren begünstigen kann, steht als Risiko bereits in der Fachinformation.
Was ist ein AAV-Vektor?
AAV steht für adeno-assoziiertes Virus. Für eine Gentherapie wird das Virus umgebaut: Seine eigenen Gene werden entfernt, stattdessen trägt die Virushülle ein therapeutisches Gen. Ein solcher „Vektor“ dient nur als Transporter. Er kann sich im Körper nicht vermehren.
Zolgensma (Wirkstoff: Onasemnogen-Abeparvovec) nutzt den Virustyp AAV9. Er bringt eine funktionierende Kopie des SMN1-Gens in die Zellen. Bei der spinalen Muskelatrophie (SMA) ist dieses Gen defekt. Die Therapie wird einmalig als Infusion gegeben.
Warum galt das Krebsrisiko als gering?
Die DNA eines AAV-Vektors bleibt in der Regel als eigenständiger, ringförmiger DNA-Abschnitt im Zellkern. Sie liegt also neben den Chromosomen und wird nicht gezielt in das Erbgut eingebaut. Darin unterscheiden sich AAV-Vektoren von Retroviren, die früher in Gentherapien genutzt wurden und ihr Erbgut gezielt in die Chromosomen einbauen.
Wie kann trotzdem ein Tumor entstehen?
Selten bauen sich Stücke der Vektor-DNA zufällig in die Chromosomen ein. Fachleute sprechen von „Vektor-Integration“. Meist bleibt das folgenlos. Trifft der Einbau aber eine Stelle, die das Zellwachstum steuert, kann ein Wachstumsgen angeschaltet oder eine natürliche Wachstumsbremse gestört werden. Daraus kann sich ein Tumor entwickeln.
Die Fachinformation von Zolgensma nennt dieses Risiko ausdrücklich. Die höchsten Mengen an Vektor-DNA wurden in der Leber gefunden. Nach Angaben aus der US-Fachinformation ist die klinische Bedeutung einzelner Integrationen unbekannt. Zufällige Integrationen wurden auch bei anderen AAV-Gentherapien in Studien beschrieben.
Was über die Zolgensma-Fälle bekannt ist
Novartis hat seit der ersten Zulassung 2019 neun Tumorberichte erhalten. In zwei Fällen wurde Vektor-DNA im Erbgut der Patienten nachgewiesen. Ein Fall hat laut Berichten offenbar keinen Bezug zur Therapie, bei sechs Fällen ist das noch offen. Novartis hat die zuständigen Behörden informiert. Welche Tumorarten auftraten und wann, ist öffentlich bislang nicht bekannt (Stand: 7. November 2026).
Nicht zu verwechseln: das Leberrisiko
Zolgensma ist schon länger wegen möglicher Leberschäden bekannt. Dabei geht es um eine andere Ursache: Leberschäden werden vor allem auf eine Immunreaktion gegen den Vektor zurückgeführt. Bei den Tumorberichten geht es dagegen um den möglichen Einbau von Vektor-DNA in das Erbgut.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben und von Marcel Golob redaktionell geprüft . So arbeiten wir