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Freitag, 6. November 2026

Gentherapie gegen SMA

Zolgensma-Tumorfälle: Wie EMA und Paul-Ehrlich-Institut reagieren – und was noch aussteht

Novartis hat neun Tumorfälle bei Kindern nach der Gentherapie Zolgensma gemeldet. In zwei Fällen gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Medikament. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben sich bis zum Abend des 6. November 2026 nicht öffentlich geäußert. Was über die Prüfung bekannt ist und welche Maßnahmen möglich sind.

Redaktion Klar informiert ·

Teil des TrendsZolgensma: Tumorfälle bei Kindern nach Gentherapie – alle Infos im ÜberblickAlles im Überblick →

Das Wichtigste in Kürze

  • Novartis hat seit der Zulassung im Jahr 2019 neun Meldungen über Tumore bei Kindern erhalten, die mit Zolgensma behandelt wurden.
  • In zwei Fällen fanden Ärzte Erbgut des Gentaxis (Vektors) in der DNA der Kinder. Das deutet auf einen Zusammenhang mit der Therapie hin.
  • Bis zum Abend des 6. November 2026 haben sich weder die EMA noch das Paul-Ehrlich-Institut öffentlich zu den Fällen geäußert. Auch die US-Behörde FDA antwortete nicht sofort auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.
  • Novartis gibt an, die Behörden in jedem Einzelfall rechtzeitig informiert zu haben. Laut der Patientenorganisation SMA Europe prüfen die Behörden die Daten bereits.
  • In der EU bewertet der Sicherheitsausschuss PRAC solche Signale. Das PEI arbeitet darin mit. Bei früheren Risiken von Zolgensma führte das zu Rote-Hand-Briefen an Ärztinnen und Ärzte.

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Tumormeldungen bei mit Zolgensma behandelten Kindern seit 2019

Quelle: Novartis, Stand 6. November 2026

2

Fälle mit Nachweis von Vektor-Erbgut in der DNA der Kinder

Quelle: Novartis, Stand 6. November 2026

> 6.000

mit Zolgensma behandelte Patienten weltweit

Quelle: Novartis, Stand 6. November 2026

Was sagen EMA und Paul-Ehrlich-Institut zu den Zolgensma-Tumorfällen?

Bisher nichts Öffentliches. Bis zum Abend des 6. November 2026 hat weder die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) noch das in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Mitteilung zu den Tumorfällen nach der Gentherapie Zolgensma veröffentlicht. Die Nachrichtenagentur Reuters fragte bei EMA und bei der US-Arzneimittelbehörde FDA nach. Beide antworteten zunächst nicht. Auch die Deutsche Presse-Agentur schreibt, dass weitere Angaben der Zulassungsbehörden noch ausstehen.

Dass die Behörden schweigen, heißt nicht, dass sie untätig sind. Novartis erklärte, es habe die Gesundheitsbehörden in beiden auffälligen Fällen rechtzeitig und angemessen informiert. Die europäische Patientenorganisation SMA Europe schrieb am 5. November, die zuständigen Behörden seien nach ihrem Verständnis aktiv eingebunden. Sie bewerteten die vorliegenden Daten und prüften, ob weitere Schritte nötig sind. Das ist allerdings die Einschätzung eines Verbands und keine Aussage einer Behörde. Einen Überblick über die Fälle und Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt unsere Übersichtsseite zu den Zolgensma-Tumorfällen.

Wie prüfen EMA und PEI ein Sicherheitssignal?

Zolgensma ist in der EU zentral zugelassen. Die Zulassung erteilte die Europäische Kommission am 18. Mai 2020, Zulassungsinhaber ist Novartis Europharm in Dublin. Für die Sicherheit nach der Zulassung ist deshalb vor allem das europäische System zuständig. Neue Risiken bewertet der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der EMA. Er tagt jeden Monat. Das Paul-Ehrlich-Institut ist im PRAC vertreten. Schon bei der Zulassung von Zolgensma hatten Experten des PEI im Ausschuss für neuartige Therapien (CAT) als Mitberichterstatter mitgearbeitet, wie das Institut 2020 mitteilte.

Bestätigt der PRAC ein Signal, kann er verschiedene Schritte empfehlen. Typisch sind:

  • eine Änderung der Fach- und Gebrauchsinformation, etwa neue oder schärfere Warnhinweise,
  • ein Rote-Hand-Brief, mit dem Ärztinnen und Ärzte direkt angeschrieben werden,
  • überarbeitetes Schulungsmaterial für Ärzte und Eltern,
  • Auflagen für den Hersteller, zum Beispiel zusätzliche Studien oder eine längere Nachbeobachtung der behandelten Kinder.

Welche dieser Schritte die EMA im Fall Zolgensma plant, ist offen. Ob und wann der PRAC das Thema auf die Tagesordnung setzt, ist bisher nicht bekannt. Seine Empfehlungen gehen anschließend an die zuständigen EMA-Ausschüsse, die sie annehmen müssen. Den Rote-Hand-Brief verschickt dann der Hersteller, abgestimmt mit EMA und PEI.

Gab es zu Zolgensma schon Rote-Hand-Briefe?

Ja, mindestens zweimal. Im März 2021 informierte ein Rote-Hand-Brief über die thrombotische Mikroangiopathie, eine schwere Störung der Blutgerinnung, die vor allem in den ersten Wochen nach der Infusion auftrat. Im Januar 2023 empfahl der PRAC einen weiteren Brief. Er erschien am 16. Februar 2023 und betraf zwei tödliche Fälle von akutem Leberversagen. Novartis verschickte ihn laut Deutschem Ärzteblatt in Abstimmung mit EMA und PEI. Der Brief betonte, wie wichtig es ist, die Leberwerte nach der Behandlung zu kontrollieren.

Diese Beispiele zeigen den üblichen Weg: Zuerst kommen Einzelmeldungen, dann bewertet der PRAC sie, und am Ende werden Ärztinnen und Ärzte direkt informiert. Ein Rote-Hand-Brief zum Tumorrisiko ist bisher nicht veröffentlicht. Ob es einen geben wird, steht nicht fest. Für Ärzte gibt es zudem Schulungsmaterial zu Zolgensma, das auf der Produktseite des PEI abrufbar ist. Die aktuelle Fassung trägt den Stand Juli 2024.

Was hat Novartis den Behörden gemeldet?

Nach Angaben des Herstellers sind seit der Erstzulassung 2019 neun Meldungen über Tumore bei behandelten Kindern eingegangen. In zwei Fällen wurde Erbgut des Vektors in der DNA der Patienten nachgewiesen. Damit ist ein Risiko eingetreten, das bisher nur als theoretisch galt. Beide Kinder wurden laut Novartis behandelt und werden weiter ärztlich überwacht. Wo die Fälle aufgetreten sind, sagt der Konzern nicht. Weltweit haben mehr als 6.000 Patientinnen und Patienten Zolgensma erhalten.

Novartis verweist darauf, dass das Risiko schon in den Fachinformationen steht. In der US-Fachinformation heißt es seit längerem, dass nach der Zulassung Tumore bei behandelten Patienten gemeldet wurden. Ein ursächlicher Zusammenhang sei aber nicht nachgewiesen. Nun wird es darum gehen, ob die Behörden diese Formulierung angesichts der zwei Fälle mit Vektor-Integration ändern lassen.

Kritik gibt es daran, wie die Informationen bekannt wurden. Laut dem US-Fachdienst STAT hatte Novartis Anfang der Woche zunächst Neurologen informiert. Öffentlich wurden die Fälle erst, als sich Patientenorganisationen und Eltern in sozialen Netzwerken äußerten. Bei der Fachzeitschrift Apotheke adhoc hatte der Konzern einen entsprechenden Hinweis rund zwei Wochen zuvor noch nicht bestätigen wollen.

Wie reagieren Patientenorganisationen und Fachgesellschaften?

SMA Europe, der Dachverband europäischer SMA-Patientenorganisationen, hat Novartis aufgefordert, klar zu informieren: was bekannt ist, was noch unklar ist und was das für bereits behandelte Kinder bedeutet. Außerdem soll Novartis sagen, ob zusätzliche Kontrollen empfohlen werden. Die britische Organisation SMA UK berichtet, dass bislang die Tumore von drei der neun Kinder genauer untersucht wurden. Bei einem davon scheint es keinen Zusammenhang mit der Therapie zu geben. Die US-Organisation Cure SMA lässt die Sicherheitsdaten nach eigenen Angaben von Fachleuten prüfen und steht mit den Behörden in Kontakt. Die Verbände raten Familien, sich bei Fragen an ihr Behandlungsteam zu wenden.

In Deutschland haben sich die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) und die Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP) bis zum 6. November nicht öffentlich zu den Tumorfällen geäußert, soweit wir das prüfen konnten. Beide hatten sich 2020 gemeinsam zu Zolgensma positioniert und damals das Losverfahren des Härtefallprogramms kritisiert. Sobald sie Stellung nehmen, ergänzen wir sie hier.

Wie geht es weiter?

Die wichtigste offene Frage ist, ob und wann EMA und PEI eine Bewertung veröffentlichen. Denkbar sind eine Meldung nach einer PRAC-Sitzung, eine geänderte Produktinformation oder ein Rote-Hand-Brief. Fachleute erwarten auch eine Debatte darüber, wie lange behandelte Kinder nachbeobachtet werden sollen. Schon die europäische Expertengruppe zu Zolgensma hatte 2024 betont, dass Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit systematisch gesammelt werden müssen.

Die Entscheidung betrifft nicht nur Zolgensma. Novartis setzt denselben Vektortyp (AAV) auch in seiner neueren Therapie Itvisma ein, in deren Fachinformation das Risiko ebenfalls steht. Auch andere AAV-Gentherapien nutzen ihn. Wie Behörden das Krebsrisiko solcher Vektoren bewerten, dürfte deshalb für die ganze Gentherapie Bedeutung haben. Eltern behandelter Kinder sollten keine Kontrolltermine auslassen und sich bei Fragen an ihr SMA-Zentrum wenden. Alle bisherigen Entwicklungen bündelt unsere Übersicht zu Zolgensma und den Tumorfällen.

AAV-Vektoren können sich in die menschliche DNA integrieren, was zur Entstehung von Tumoren führen kann. Dieses Risiko ist in den Fachinformationen von Zolgensma und Itvisma aufgeführt. Gemeldete Ereignisse werden entsprechend den regulatorischen Anforderungen geprüft.
Sprecherin von Novartis, gegenüber Apotheke adhoc · Quelle

Chronologie

  1. 6. November 2026

    Reuters und dpa berichten über die Stellungnahme von Novartis. EMA und FDA beantworten eine Reuters-Anfrage zunächst nicht. Das PEI veröffentlicht keine eigene Mitteilung. Mehr

  2. 5. November 2026

    Novartis bestätigt neun Tumormeldungen, davon zwei mit Vektor-Integration. SMA Europe schreibt, nach ihrem Verständnis prüften die Behörden die Daten. Mehr

  3. Anfang November 2026

    Novartis informiert laut STAT zunächst Neurologinnen und Neurologen über die Fälle. Mehr

  4. Juli 2024

    Das Schulungsmaterial für Ärzte zu Zolgensma erscheint in überarbeiteter Fassung (Version 2.0). Mehr

  5. 16. Februar 2023

    Ein Rote-Hand-Brief, abgestimmt mit EMA und PEI, informiert über tödliche Fälle von akutem Leberversagen. Mehr

  6. Januar 2023

    Der PRAC empfiehlt nach Beratung einen Rote-Hand-Brief zu Leberschäden nach Zolgensma. Mehr

  7. März 2021

    Ein Rote-Hand-Brief warnt vor thrombotischer Mikroangiopathie nach der Behandlung. Mehr

  8. 18. Mai 2020

    Die Europäische Kommission lässt Zolgensma in der EU zu. Das PEI hatte im CAT der EMA als Mitberichterstatter mitgewirkt. Mehr

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Häufige Fragen

›Hat die EMA Zolgensma wegen der Tumorfälle gestoppt?

Nein. Bis zum 6. November 2026 hat die EMA weder die Zulassung ausgesetzt noch neue Auflagen verkündet. Eine öffentliche Stellungnahme der Behörde zu den Tumorfällen gibt es bisher nicht.

›Was sagt das Paul-Ehrlich-Institut zu Zolgensma?

Das PEI hat sich bisher nicht öffentlich zu den Tumorfällen geäußert. In Deutschland ist es für Gentherapeutika zuständig. Bei der EMA wirkt es im Sicherheitsausschuss PRAC mit, der solche Signale bewertet.

›Kommt ein Rote-Hand-Brief zu Zolgensma und Tumoren?

Das ist offen. Zu früheren Risiken von Zolgensma, nämlich Gerinnungsstörungen 2021 und Leberversagen 2023, gab es Rote-Hand-Briefe. Ob die Behörden wegen der Tumorfälle einen weiteren verlangen, ist noch nicht entschieden.

›Haben die Behörden von den Tumorfällen gewusst?

Novartis gibt an, die Gesundheitsbehörden in jedem Fall rechtzeitig informiert zu haben. Die Patientenorganisation SMA Europe geht davon aus, dass die Behörden die Daten bereits prüfen.

›Was sollen Eltern behandelter Kinder jetzt tun?

Eine neue behördliche Empfehlung gibt es bislang nicht. Patientenorganisationen raten, Fragen mit dem behandelnden SMA-Zentrum zu klären und Kontrolltermine wahrzunehmen.

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Quellen

  1. Apotheke adhoc / dpa: Zolgensma: Novartis bestätigt Tumorfälle (6. November 2026)
  2. Reuters via Yahoo News: Two tumour cases in children linked to SMA drug, Novartis says (6. November 2026)
  3. SMA Europe: Information regarding recent Zolgensma safety concerns
  4. STAT: Novartis cites cases of previously unknown tumors possibly tied to its SMA gene therapy
  5. BioPharma Dive: Novartis reveals cancer cases possibly linked to gene therapy Zolgensma
  6. swissinfo.ch: Novartis reports cases of tumours in children following treatment with Zolgensma
  7. Paul-Ehrlich-Institut: Produktseite Zolgensma
  8. Paul-Ehrlich-Institut: Unser Engagement im PRAC
  9. Paul-Ehrlich-Institut: Positive Stellungnahme des CAT und des CHMP zu Zolgensma (2020)
  10. Deutsches Ärzteblatt: Rote-Hand-Brief zu Zolgensma betont Überwachung der Leberfunktion (2023)
  11. PTAheute: Rote-Hand-Brief – Thrombotische Mikroangiopathie unter Zolgensma (2021)
  12. Novartis: US-Fachinformation Zolgensma (PDF)
  13. SMA UK: Updated 2024 European Consensus on the use of Zolgensma
  14. Deutsches Ärzteblatt: Zolgensma-Härtefallprogramm – DGM und GNP (2020)
  15. Smanewstoday: Novartis confirms 2 tumor cases appear tied to SMA gene therapy

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben. So arbeiten wir