SMA-Therapien im Vergleich
Spinale Muskelatrophie: Welche Therapien es gibt und wie sie sich unterscheiden
Gegen die spinale Muskelatrophie (SMA) sind in der EU heute mehrere Therapien zugelassen: die Gentherapien Zolgensma und Itvisma, das Rückenmarksmedikament Spinraza und das Medikament Evrysdi zum Schlucken. Sie unterscheiden sich darin, wie sie wirken, wie oft sie gegeben werden, für wen sie gedacht sind und welche Risiken bekannt sind. Dieser Ratgeber erklärt SMA-Typen, Neugeborenenscreening und Kostenübernahme und vergleicht die Behandlungen in einer Tabelle.
Redaktion Klar informiert ·

Das Wichtigste in Kürze
- Spinale Muskelatrophie ist eine seltene Erbkrankheit, bei der wegen eines Defekts im SMN1-Gen die Nervenzellen im Rückenmark zugrunde gehen, die die Muskeln steuern.
- In Deutschland wird seit Oktober 2021 jedes Neugeborene im Rahmen des erweiterten Neugeborenenscreenings kostenlos auf SMA getestet, wenn die Eltern zustimmen.
- Zugelassen sind die Gentherapien Zolgensma (einmalige Infusion) und Itvisma (einmalige Gabe ins Nervenwasser) sowie Spinraza (regelmäßige Spritzen ins Nervenwasser) und Evrysdi (täglich zum Schlucken).
- Je früher die Behandlung beginnt, am besten bevor Symptome auftreten, desto besser entwickeln sich die Kinder motorisch.
- Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten zugelassener SMA-Therapien, wenn sie im Rahmen der Zulassung eingesetzt werden; Zolgensma kostet rund zwei Millionen Euro pro Behandlung.
- Novartis hat im November 2026 neun Tumorfälle bei Kindern nach Zolgensma gemeldet; ob und wie oft die Gentherapie ursächlich ist, wird noch untersucht.
Was ist spinale Muskelatrophie?
Die spinale Muskelatrophie, kurz SMA, ist eine erbliche Erkrankung der Nervenzellen im Rückenmark. In den allermeisten Fällen handelt es sich um die sogenannte 5q-assoziierte SMA: Beide Kopien des Gens SMN1 auf Chromosom 5 sind defekt oder fehlen. Dadurch bildet der Körper zu wenig vom Eiweiß SMN (Survival Motor Neuron), das die motorischen Nervenzellen zum Überleben brauchen. Die Folge sind fortschreitende Muskelschwäche und Muskelschwund – oft zuerst an Rumpf, Beinen und Atemmuskulatur. Denken und Wahrnehmung sind nicht betroffen.
Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Eltern sind meist gesunde Anlageträger; ihr Kind erkrankt, wenn es von beiden ein defektes Gen erbt. Je nach Schätzung ist etwa eines von 6.000 bis 10.000 Neugeborenen betroffen.
Wie schwer die SMA verläuft, hängt stark vom Nachbargen SMN2 ab. Es liefert nur wenig funktionsfähiges SMN-Eiweiß, kann den Mangel aber teilweise ausgleichen. Wer mehr Kopien von SMN2 hat, erkrankt in der Regel später und milder. Deshalb wird bei der Diagnose immer auch die Zahl der SMN2-Kopien bestimmt – sie ist für die Therapieentscheidung wichtig.
Welche SMA-Typen gibt es?
Ärztinnen und Ärzte teilen die SMA klassisch in Typen ein, je nachdem, wann die ersten Symptome auftreten und welche Bewegungen ein Kind ohne Behandlung erreicht. Am häufigsten und schwersten ist Typ 1 (auch Werdnig-Hoffmann genannt): Die Babys zeigen schon in den ersten Lebensmonaten eine ausgeprägte Muskelschwäche, lernen ohne Therapie nicht sitzen und sind früh auf Hilfe beim Atmen und Schlucken angewiesen. Kinder mit Typ 2 können sitzen, aber nicht frei laufen. Bei Typ 3 (Kugelberg-Welander) lernen Kinder laufen, verlieren diese Fähigkeit aber oft im Lauf der Jahre. Typ 4 beginnt erst im Erwachsenenalter und verläuft mild.
Seit es wirksame Therapien und das Neugeborenenscreening gibt, verliert diese Einteilung an Bedeutung: Viele Kinder werden heute behandelt, bevor sich überhaupt ein Typ zeigt. Für die Behandlung zählen dann vor allem das Alter, die Zahl der SMN2-Kopien und der aktuelle Zustand.
Wie funktioniert das Neugeborenenscreening auf SMA in Deutschland?
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Dezember 2020 beschlossen, die SMA in das erweiterte Neugeborenenscreening aufzunehmen. Seit Oktober 2021 ist der Gentest Teil der Früherkennungsuntersuchungen für alle Neugeborenen. Zuvor war das Screening seit 2018 in einigen Regionen in einem Pilotprojekt erprobt worden.
Für den Test werden in den ersten Lebenstagen einige Tropfen Blut aus der Ferse auf eine Filterkarte getropft – dieselbe Probe, mit der auch auf andere angeborene Erkrankungen getestet wird. Die Untersuchung ist freiwillig, für Eltern kostenlos und setzt ihre Einwilligung voraus. Fällt das Ergebnis auffällig aus, wird der Befund in einer zweiten Blutprobe bestätigt und das Kind an ein spezialisiertes neuromuskuläres Zentrum überwiesen.
Der Nutzen ist gut belegt: Eine Auswertung des Registers SMArtCARE, über die das Universitätsklinikum Freiburg berichtet, zeigt, dass sich Kinder mit SMA motorisch deutlich besser entwickeln, wenn die Behandlung vor dem Auftreten von Symptomen beginnt. Denn abgestorbene Nervenzellen lassen sich nicht ersetzen – die Therapien können den Verlust nur stoppen oder bremsen.
Welche Therapien gegen SMA sind zugelassen?
Alle zugelassenen Medikamente setzen am SMN-Mangel an, aber auf unterschiedlichen Wegen. Heilen kann keines von ihnen; sie können das Fortschreiten aufhalten und bei frühem Beginn eine weitgehend normale motorische Entwicklung ermöglichen.
- Zolgensma (Onasemnogen-Abeparvovec) ist eine Gentherapie von Novartis. Ein abgewandeltes, harmloses Virus (AAV9-Vektor) bringt eine funktionierende Kopie des SMN1-Gens in die Nervenzellen. Sie wird einmalig als Infusion in die Vene gegeben, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. In der EU ist sie seit 2020 zugelassen für Kinder mit SMA Typ 1 oder mit bis zu drei SMN2-Kopien.
- Itvisma enthält denselben Wirkstoff, wird aber einmalig per Lumbalpunktion direkt ins Nervenwasser gespritzt. Die Europäische Kommission hat das Mittel 2026 für Kinder ab zwei Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit 5q-SMA zugelassen – also für Patienten, die für Zolgensma zu alt oder zu schwer sind.
- Spinraza (Nusinersen) von Biogen war 2017 das erste zugelassene SMA-Medikament. Es ist ein sogenanntes Antisense-Oligonukleotid, das das SMN2-Gen dazu bringt, mehr funktionsfähiges SMN-Eiweiß herzustellen. Es wird dauerhaft alle vier Monate per Lumbalpunktion ins Nervenwasser gegeben. Seit Anfang 2026 ist in der EU zusätzlich ein höher dosiertes Schema zugelassen: zwei Startdosen à 50 Milligramm im Abstand von 14 Tagen, danach 28 Milligramm alle vier Monate.
- Evrysdi (Risdiplam) von Roche wirkt ebenfalls über das SMN2-Gen, wird aber täglich geschluckt und verteilt sich im ganzen Körper. Es gibt eine Lösung zum Einnehmen und seit Juni 2025 auch eine Tablette, die ganz geschluckt oder in Wasser aufgelöst werden kann.
Welche Therapie passt, entscheiden Familien gemeinsam mit einem spezialisierten Zentrum. Eine Rangfolge gibt es nicht: Direkte Vergleichsstudien fehlen weitgehend. Eine Rolle spielen Alter und Gewicht, die Zahl der SMN2-Kopien, Vorerkrankungen, Antikörper gegen den AAV9-Vektor, die Belastung durch wiederholte Punktionen oder tägliche Einnahme und die persönliche Abwägung der Risiken.
Welche Risiken und Nebenwirkungen haben die SMA-Therapien?
Bei den Gentherapien ist die größte bekannte Gefahr eine Schädigung der Leber durch die Immunreaktion auf den Vektor. Nach Zolgensma starben 2022 zwei Kinder an akutem Leberversagen. Behandelte Kinder erhalten deshalb vorbeugend Kortison, und ihre Leberwerte werden über Wochen engmaschig kontrolliert. Weitere bekannte Risiken sind ein Abfall der Blutplättchen, eine thrombotische Mikroangiopathie (Gerinnsel in kleinen Blutgefäßen mit Nierenschäden) und erhöhte Herzmuskelwerte. Vor der Behandlung wird geprüft, ob das Kind Antikörper gegen AAV9 hat, die die Wirkung verhindern können.
Hinzu kommt ein theoretisches Risiko, das jetzt in den Mittelpunkt rückt: Erbgut des Vektors kann sich in seltenen Fällen in das Erbgut der Körperzellen einbauen. Laut Novartis steht dieses mögliche Tumorrisiko bereits in der Fachinformation. Am 6. November 2026 meldete der Konzern nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa neun Tumorfälle bei Kindern seit der Zulassung 2019, bei weltweit mehr als 6.000 Behandelten. In zwei Fällen wurde Vektor-DNA im Erbgut nachgewiesen. Ein ursächlicher Zusammenhang ist damit noch nicht abschließend belegt, die Fälle werden untersucht. Was bisher bekannt ist und was Eltern behandelter Kinder jetzt wissen sollten, fassen wir auf unserer Übersichtsseite zu den Zolgensma-Tumorfällen zusammen.
Bei Spinraza hängen viele Beschwerden mit der Lumbalpunktion zusammen: Kopf- und Rückenschmerzen oder Übelkeit nach dem Eingriff. Bei Menschen mit starker Wirbelsäulenverkrümmung kann die Punktion technisch schwierig sein. Ärzte kontrollieren außerdem Blutgerinnung, Blutplättchen und Nierenwerte. Evrysdi kann unter anderem Fieber, Durchfall und Hautausschlag auslösen. Weil Tierversuche auf Schäden beim ungeborenen Kind und eine mögliche Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit hinweisen, ist eine sichere Verhütung während der Einnahme vorgeschrieben.
Zahlt die Krankenkasse die SMA-Therapie?
Ja – zugelassene Arzneimittel, die im Rahmen ihrer Zulassung eingesetzt werden, gehören in Deutschland zur Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das gilt für alle vier SMA-Therapien, auch für die besonders teuren Gentherapien. Zolgensma kostet rund zwei Millionen Euro pro Behandlung und galt bei der Markteinführung als teuerstes Medikament der Welt; Spinraza und Evrysdi verursachen als Dauertherapien ebenfalls sehr hohe jährliche Kosten. Wie hoch der Preis ist, den die Kassen tatsächlich zahlen, handeln Hersteller und GKV-Spitzenverband nach der Nutzenbewertung durch den G-BA aus. Für Familien entstehen bei zugelassener Anwendung keine Medikamentenkosten über die üblichen Zuzahlungen hinaus.
Die Gentherapien werden in spezialisierten Zentren verabreicht, die die Abrechnung in der Regel direkt mit der Kasse klären. Streit gab es vor allem in der Anfangszeit: 2020 entschied etwa das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, dass eine Kasse Zolgensma nicht bezahlen musste – damals war das Mittel in Europa noch nicht zugelassen. Seit der Zulassung ist die Kostenübernahme im zugelassenen Anwendungsbereich die Regel.
Schwieriger wird es, wenn eine Behandlung außerhalb der Zulassung erfolgen soll, etwa eine Kombination mehrerer SMA-Medikamente oder ein Wechsel, für den es wenig Daten gibt. Dann muss die Kasse vorab zustimmen, und sie kann ablehnen. Gegen eine Ablehnung können Versicherte innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen; in dringenden Fällen ist ein Eilantrag beim Sozialgericht möglich. Privatversicherte sollten sich vor Behandlungsbeginn eine schriftliche Kostenzusage geben lassen.
| Therapie (Wirkstoff) | Wirkprinzip | Verabreichung und Häufigkeit | Zielgruppe (EU) | Bekannte Risiken |
|---|---|---|---|---|
| Zolgensma (Onasemnogen-Abeparvovec), Novartis | Gentherapie: AAV9-Vektor bringt funktionierendes SMN1-Gen in die Zellen | Einmalige Infusion in die Vene, stationär im Zentrum; vorbeugend Kortison | 5q-SMA mit Typ 1 oder bis zu drei SMN2-Kopien; vor allem Säuglinge und Kleinkinder | Leberschäden bis Leberversagen, Abfall der Blutplättchen, thrombotische Mikroangiopathie, erhöhte Herzwerte; mögliches Tumorrisiko durch Vektor-Integration (wird untersucht) |
| Itvisma (Onasemnogen-Abeparvovec), Novartis | Gentherapie, derselbe Wirkstoff wie Zolgensma | Einmalige Gabe per Lumbalpunktion ins Nervenwasser, feste Dosis | 5q-SMA ab zwei Jahren, Jugendliche und Erwachsene | Wirkstoffklasse wie Zolgensma, u. a. Leberwerte-Kontrolle; Langzeitdaten noch begrenzt |
| Spinraza (Nusinersen), Biogen | Antisense-Oligonukleotid: SMN2 bildet mehr funktionsfähiges SMN-Eiweiß | Lumbalpunktion; Startdosen, danach dauerhaft alle 4 Monate (Standard- oder höher dosiertes Schema) | 5q-SMA, alle Altersgruppen | Beschwerden durch die Punktion (Kopf-, Rückenschmerzen), Gerinnungsstörungen, Nierenwerte |
| Evrysdi (Risdiplam), Roche | Kleines Molekül: verändert das Spleißen von SMN2, wirkt im ganzen Körper | Täglich zum Schlucken, als Lösung oder Tablette, zu Hause | 5q-SMA ab Geburt (Typ 1–3 oder 1–4 SMN2-Kopien) | Fieber, Durchfall, Ausschlag; Verhütung nötig, mögliche Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit |
Quelle: Hersteller- und Behördenangaben, Fachpresse; Stand November 2026. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fachinformation.
| Typ | Beginn der Symptome | Höchste erreichte Fähigkeit ohne Therapie | Typische Zahl der SMN2-Kopien |
|---|---|---|---|
| Typ 1 (Werdnig-Hoffmann) | vor dem 6. Lebensmonat | freies Sitzen wird nicht erreicht | meist 2 |
| Typ 2 | 6. bis 18. Lebensmonat | Sitzen, aber kein freies Gehen | meist 3 |
| Typ 3 (Kugelberg-Welander) | nach dem 18. Lebensmonat | freies Gehen, oft später wieder verloren | meist 3 bis 4 |
| Typ 4 | Erwachsenenalter | Gehfähigkeit bleibt meist erhalten | meist 4 oder mehr |
Quelle: Klassische Einteilung der 5q-SMA nach medizinischer Fachliteratur; Übergänge sind fließend
Von der SMA-Diagnose zur Behandlung: So läuft es ab
Screening-Befund ernst nehmen
Meldet sich die Geburtsklinik oder das Screeninglabor mit einem auffälligen SMA-Befund, sollte schnell gehandelt werden. Der Befund wird mit einer zweiten Blutprobe bestätigt.
Spezialisiertes Zentrum aufsuchen
Die Behandlung gehört in ein neuromuskuläres Zentrum mit SMA-Erfahrung. Kinderärztin oder Screeninglabor vermitteln den Kontakt; Patientenorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke helfen bei der Suche.
Genetische Untersuchungen abschließen
Bestimmt werden die Zahl der SMN2-Kopien und, falls eine Gentherapie infrage kommt, Antikörper gegen den AAV9-Vektor sowie Leber-, Nieren- und Blutwerte.
Therapie gemeinsam auswählen
Lassen Sie sich Vor- und Nachteile aller infrage kommenden Mittel erklären: einmalige Gabe oder Dauertherapie, Punktion oder tägliche Einnahme, bekannte Risiken. Eine Zweitmeinung an einem anderen Zentrum ist möglich.
Kostenübernahme klären
Bei zugelassener Anwendung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten; das Zentrum kümmert sich meist um die Abrechnung. Bei Behandlungen außerhalb der Zulassung ist vorab ein Antrag nötig.
Bei Ablehnung Widerspruch einlegen
Lehnt die Kasse ab, können Sie innerhalb eines Monats nach dem Bescheid schriftlich Widerspruch einlegen. In dringenden Fällen ist ein Eilantrag beim Sozialgericht möglich.
Nachsorge wahrnehmen
Halten Sie alle Kontrolltermine ein, nach einer Gentherapie besonders die Leberwerte-Kontrollen. Viele Zentren erfassen den Verlauf im Register SMArtCARE, das hilft, Langzeitwirkungen zu erkennen.
Okt. 2021
seit diesem Zeitpunkt gehört der SMA-Test zum Neugeborenenscreening in Deutschland
Quelle: G-BA / Fachpresse
> 6.000
Patienten weltweit mit Zolgensma behandelt
Quelle: Novartis laut dpa, Stand November 2026
9
gemeldete Tumorfälle bei Kindern nach Zolgensma seit 2019
Quelle: Novartis laut dpa, Stand 6. November 2026
ca. 2 Mio. €
Kosten einer Zolgensma-Behandlung
Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Häufige Fragen
›Ist spinale Muskelatrophie heilbar?
Nein. Die zugelassenen Therapien können das Fortschreiten der SMA aufhalten oder stark bremsen, abgestorbene Nervenzellen aber nicht ersetzen. Deshalb ist ein möglichst früher Behandlungsbeginn, idealerweise vor den ersten Symptomen, entscheidend.
›Was ist der Unterschied zwischen Zolgensma und Itvisma?
Beide enthalten denselben Gentherapie-Wirkstoff Onasemnogen-Abeparvovec von Novartis. Zolgensma wird einmalig in die Vene infundiert und vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt; Itvisma wird einmalig ins Nervenwasser gespritzt und ist in der EU für Patienten ab zwei Jahren zugelassen.
›Wie oft muss Spinraza gegeben werden?
Nach mehreren Startdosen wird Spinraza (Nusinersen) dauerhaft alle vier Monate per Lumbalpunktion ins Nervenwasser gespritzt. Seit Anfang 2026 gibt es in der EU zusätzlich ein höher dosiertes Schema mit zwei Startdosen à 50 Milligramm und danach 28 Milligramm alle vier Monate.
›Wird mein Baby automatisch auf SMA getestet?
Seit Oktober 2021 gehört der SMA-Test zum erweiterten Neugeborenenscreening, das allen Neugeborenen in Deutschland kostenlos angeboten wird. Er erfolgt aus derselben Fersenblutprobe wie die übrigen Tests, ist aber freiwillig und erfordert die Einwilligung der Eltern.
›Wer bezahlt Zolgensma in Deutschland?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten von rund zwei Millionen Euro, wenn Zolgensma im Rahmen der Zulassung eingesetzt wird. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren, die die Abrechnung in der Regel direkt mit der Kasse klären.
›Kann Zolgensma Krebs auslösen?
Ein mögliches Tumorrisiko durch den Einbau von Vektor-Erbgut steht laut Novartis bereits in der Fachinformation. Im November 2026 meldete der Konzern neun Tumorfälle bei mehr als 6.000 behandelten Patienten weltweit; in zwei Fällen wurde Vektor-DNA im Erbgut gefunden, ein Zusammenhang wird noch untersucht.
›Kann man SMA-Medikamente kombinieren oder wechseln?
Ein Wechsel ist möglich und kommt vor, etwa wenn eine Therapie nicht ausreichend wirkt oder schlecht vertragen wird. Für Kombinationen gibt es bislang wenig gesicherte Daten; sie liegen meist außerhalb der Zulassung, und die Krankenkasse muss vorher zustimmen.
›Für wen ist Evrysdi geeignet?
Evrysdi (Risdiplam) ist in der EU für Menschen mit 5q-SMA ab der Geburt zugelassen. Es wird täglich zu Hause als Lösung oder Tablette eingenommen und eignet sich besonders, wenn wiederholte Punktionen vermieden werden sollen.
Chronologie
6. November 2026
Novartis meldet neun Tumorfälle bei Kindern nach Zolgensma; in zwei Fällen wurde Vektor-DNA im Erbgut gefunden. Mehr
Sommer 2026
Die EU-Kommission lässt Itvisma zur einmaligen Gabe ins Nervenwasser für Patienten ab zwei Jahren zu. Mehr
April 2026
Der Arzneimittelausschuss CHMP der EMA empfiehlt die Zulassung von Itvisma. Mehr
Anfang 2026
Die EU lässt ein höher dosiertes Behandlungsschema für Spinraza zu. Mehr
Juni 2025
Evrysdi ist in der EU zusätzlich als Tablette zugelassen. Mehr
Oktober 2021
Das SMA-Screening startet bundesweit als Teil des erweiterten Neugeborenenscreenings.
2021
Evrysdi (Risdiplam) wird als erstes SMA-Medikament zum Schlucken in der EU zugelassen.
Dezember 2020
Der G-BA beschließt, SMA in das Neugeborenenscreening aufzunehmen. Mehr
2020
Die Gentherapie Zolgensma erhält die EU-Zulassung.
2017
Spinraza (Nusinersen) wird als erstes SMA-Medikament in der EU zugelassen.
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Quellen
- G-BA: Früherkennungsuntersuchung bei Neugeborenen wird auf spinale Muskelatrophie erweitert (Dezember 2020)
- Kinderärztliche Praxis: Spinale Muskelatrophie – ein Jahr Neugeborenen-Screening
- Universitätsklinikum Freiburg: Neugeborenenscreening – frühe SMA-Diagnose verbessert Behandlung
- Kinderärzte im Netz: Neugeborenenscreening – frühe SMA-Diagnose verbessert Behandlung
- InFo Neurologie + Psychiatrie: SMA-Gentherapie auch zur intrathekalen Gabe (Itvisma)
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