Gedenktag 9. November
Jahrestag des Mauerfalls: So wird am 9. November gedacht – auch an die Pogromnacht
Am 9. November jährt sich der Mauerfall – 2026 zum 37. Mal. In Berlin erinnern Bund und Land an der Gedenkstätte Berliner Mauer an die Nacht von 1989, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedenkt in Weimar zugleich der Novemberpogrome von 1938 und der Ausrufung der Republik 1918. Hier steht, was geplant ist, was damals geschah und warum der Tag kein Feiertag ist.
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Das Wichtigste in Kürze
- Am 9. November 2026, einem Montag, jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 37. Mal.
- Bund und Land Berlin gedenken des Mauerfalls traditionell an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße.
- Am selben Datum wird an die Novemberpogrome von 1938 erinnert – 2026 zum 88. Mal.
- Bundespräsident Steinmeier erinnert 2026 in Weimar an 1918, 1938 und 1989 und spricht unter anderem bei einer Gedenkfeier in der Gedenkstätte Buchenwald.
- Der 9. November ist in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag; der Nationalfeiertag ist der 3. Oktober.
- Kulturstaatsminister Wolfram Weimer warnt zum Jahrestag vor einer Verklärung der SED-Diktatur und vor Antisemitismus.
37
Jahre seit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 (Stand 2026)
Quelle: Bundesregierung
88.
Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 im Jahr 2026
Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland
14
Stolpersteine, an denen in Weimar am 9. November 2026 an NS-Opfer erinnert wird
Quelle: GEDG laut dpa
Jahrestag des Mauerfalls: Welche Gedenkveranstaltungen sind geplant?
Der zentrale Ort der Erinnerung an den Mauerfall ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Dort findet nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer jedes Jahr am 9. November die zentrale Gedenkveranstaltung zum Jahrestag statt. Zum 37. Jahrestag am Montag, 9. November 2026, laden Bund und Land Berlin erneut dorthin ein, wie der Evangelische Pressedienst berichtet. Im Berliner Dom ist zudem ein Gottesdienst geplant, der sowohl an den Mauerfall als auch an die Verfolgungen von 1938 erinnert.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begeht den Tag in diesem Jahr in Weimar. Nach Angaben des Bundespräsidialamts erinnert er dort an alle drei Ereignisse, die das Datum prägen: die Ausrufung der Republik 1918, die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung 1938 und die Friedliche Revolution mit dem Mauerfall 1989. Das Programm:
- ein Gespräch mit ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerinnen und -Bürgerrechtlern im Goethehaus,
- die Begleitung eines Gedenkens an 14 Stolpersteinen für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung,
- um 14.30 Uhr Kranzniederlegung und Ansprache bei der Gedenkfeier zu den Novemberpogromen in der Gedenkstätte Buchenwald,
- die Eröffnung einer Sonderausstellung zur Weimarer Demokratie,
- um 19.30 Uhr eine Rede zum Auftakt des 6. Weimarer Forums für Erinnerungskultur im Deutschen Nationaltheater.
Steinmeier wirbt seit Jahren dafür, den 9. November als Tag des Nachdenkens über das eigene Land zu begehen – mit seinen hellen und dunklen Seiten.
Was geschah am 9. November 1989?
Im Herbst 1989 stand die DDR unter massivem Druck: Zehntausende flohen über Ungarn und die Botschaften in Prag und Warschau, in Leipzig, Ost-Berlin und vielen anderen Städten demonstrierten Hunderttausende für Freiheit und Reformen. Am Abend des 9. November verkündete SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer live übertragenen Pressekonferenz eine neue Reiseregelung. Auf die Nachfrage, ab wann sie gelte, antwortete er sinngemäß: sofort.
Daraufhin strömten Tausende Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner zu den Grenzübergängen. Am Übergang Bornholmer Straße gaben die Grenzposten am späten Abend dem Druck der Menge nach und öffneten den Schlagbaum, weitere Übergänge folgten in der Nacht. Die Mauer, die Berlin seit dem 13. August 1961 geteilt hatte, war nach gut 28 Jahren offen – ohne dass ein Schuss fiel.
Der Mauerfall ebnete den Weg zur deutschen Einheit. Nach der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 trat die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik bei. An der Berliner Mauer kamen zwischen 1961 und 1989 nach Forschungen der Stiftung Berliner Mauer mindestens 140 Menschen ums Leben.
Warum gilt der 9. November als Schicksalstag der Deutschen?
Kein anderes Datum steht so sehr für Licht und Schatten der deutschen Geschichte. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen – der Anfang der ersten deutschen Demokratie. Am 9. November 1923 versuchten Hitler und seine Anhänger in München vergeblich, die Macht an sich zu reißen. Am 9. November 1938 brannten im ganzen Deutschen Reich Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet. Und am 9. November 1989 fiel die Mauer.
Gerade weil der Tag auch für die Novemberpogrome steht, wurde er nicht zum Nationalfeiertag. Als Tag der Deutschen Einheit gilt seit 1990 der 3. Oktober, der Tag des Beitritts der DDR. Der 9. November ist deshalb ein Gedenktag, aber in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag: Schulen, Behörden und Geschäfte haben regulär geöffnet.
Gedenken an die Pogromnacht: Wo wird an den 9. November 1938 erinnert?
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten die Nationalsozialisten im ganzen Reich Gewalt gegen Jüdinnen und Juden. Synagogen wurden angezündet, Geschäfte geplündert, Hunderte Menschen kamen ums Leben. Zehntausende jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager wie Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Die Pogrome gelten als Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung, die in den Holocaust mündete.
2026 jährt sich die Pogromnacht zum 88. Mal. Bundesweit erinnern Kommunen, Kirchen, jüdische Gemeinden und Initiativen daran, oft an Orten zerstörter Synagogen oder an Stolpersteinen. Einige Beispiele:
- In Weimar spricht der Bundespräsident bei der Gedenkfeier in der Gedenkstätte Buchenwald.
- In Berlin gibt es in fast allen Bezirken Gedenkveranstaltungen, etwa an der Synagoge Fraenkelufer, auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee oder am Mahnmal der ehemaligen Synagoge in der Münchener Straße in Schöneberg. Eine Übersicht bietet das Portal Berlin gegen Nazis.
- In Würzburg nehmen Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland während ihrer Synodentagung an einem Gedenken teil.
- Auch kleinere Städte laden ein, etwa Neubrandenburg mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung.
Wer an einer Veranstaltung in der eigenen Stadt teilnehmen möchte, findet Termine meist auf der Website der Kommune, der jüdischen Gemeinde oder der örtlichen Kirchengemeinden.
Gedenkstätte Berliner Mauer: Was Besucher wissen sollten
Die Gedenkstätte an der Bernauer Straße zwischen den Bezirken Mitte und Wedding ist der wichtigste Erinnerungsort an die Teilung Berlins. Auf rund 1,4 Kilometern Länge zeigt sie den früheren Grenzstreifen mit einem erhaltenen Mauerabschnitt samt Wachturm, das Fenster des Gedenkens für die Todesopfer, die Kapelle der Versöhnung sowie ein Besucher- und ein Dokumentationszentrum. Der Eintritt ist frei.
Laut Museumsportal Berlin öffnet die Gedenkstätte am Jahrestag des Mauerfalls 2026, obwohl er auf einen Montag fällt, von 10 bis 18 Uhr. Rund um den Jahrestag bietet die Stiftung Führungen an, darunter Rundgänge zur Geschichte der Bernauer Straße. Bis 13. Dezember 2026 läuft im Besucherzentrum die Videoinstallation „Generation 75 – Mit 14 ins neue Deutschland“, bis 31. Januar 2027 die Fotoausstellung „Mauer Land“ von Thomas Meyer über den früheren Mauerstreifen.
Zur Stiftung Berliner Mauer gehören weitere Orte, die sich für einen Besuch rund um den 9. November anbieten: die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die East Side Gallery, die Gedenkstätte Günter Litfin und Checkpoint Charlie. Außerhalb Berlins erinnern unter anderem Grenzlandmuseen und Gedenkstätten wie Point Alpha an die innerdeutsche Grenze.
Welche Debatten begleiten den Jahrestag?
Zum 37. Jahrestag warnt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vor Geschichtsrevisionismus und einer Verklärung der SED-Diktatur. Wer die DDR heute verkläre, erliege populistischen Vereinfachungen und verhöhne die Opfer, heißt es in einer Mitteilung der Bundesregierung. Weimar betont darin:
„Ein kritisches, wissenschaftlich fundiertes Geschichtsbewusstsein ist heute wichtiger denn je.“ – Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien
Bereits zum Tag der Deutschen Einheit hatte Weimer eine zunehmende Verharmlosung der DDR beklagt. Zum Gedenken an die Novemberpogrome mahnte er, das Erinnern sei Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft; Antisemitismus dürfe keinen Platz haben, jüdisches Leben müsse selbstverständlich und sicher sein.
Auch die Kirchen melden sich zu Wort. Die Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, und Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich riefen laut EKD zu entschlossenem Einsatz gegen den wachsenden Antisemitismus auf. Mit Blick auf den Mauerfall stellte die Evangelische Kirche zudem ihre eigene Rolle nach der Wiedervereinigung selbstkritisch infrage, wie der Deutschlandfunk berichtete.
Chronologie
9. November 2026
37. Jahrestag des Mauerfalls: Gedenken von Bund und Land an der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bundespräsident Steinmeier erinnert in Weimar und Buchenwald an 1918, 1938 und 1989. bundespraesident.de
6. November 2026
Kulturstaatsminister Weimer warnt vor einer Verklärung der SED-Diktatur und mahnt zum Gedenken an die Novemberpogrome gegen Antisemitismus. bundesregierung.de
5. November 2026
Die EKD-Spitze ruft zum 88. Jahrestag der Novemberpogrome zu entschlossenem Einsatz gegen Antisemitismus auf. ekd.de
26. Oktober 2026
Das Bundespräsidialamt veröffentlicht Steinmeiers Programm für den 9. November in Weimar. bundespraesident.de
3. Oktober 2026
Zum Tag der Deutschen Einheit beklagt Weimer einen zunehmenden Geschichtsrevisionismus mit Blick auf die DDR. bundesregierung.de
13. August 2026
65. Jahrestag des Mauerbaus: Gedenken an die Opfer von Mauer und Teilung in Berlin. kulturstaatsminister.de
9. November 1989
Nach der Pressekonferenz Günter Schabowskis öffnen sich in der Nacht die Grenzübergänge in Berlin – die Mauer fällt.
9. November 1938
Novemberpogrome: Im ganzen Deutschen Reich werden Synagogen angezündet und jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört.
Häufige Fragen
›Wie viele Jahre ist der Mauerfall 2026 her?
Die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989. Am 9. November 2026 jährt sich der Mauerfall damit zum 37. Mal.
›Ist der 9. November ein Feiertag?
Nein. Der 9. November ist ein Gedenktag, aber in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag. Der Nationalfeiertag ist der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit.
›Warum ist nicht der 9. November der Tag der Deutschen Einheit?
Der 9. November steht auch für die Novemberpogrome von 1938, bei denen die Nationalsozialisten Synagogen anzündeten und Jüdinnen und Juden verfolgten. Ein Feiertag an diesem Datum galt deshalb als unpassend; gewählt wurde der 3. Oktober, der Tag des Beitritts der DDR 1990.
›Wo findet die zentrale Gedenkfeier zum Mauerfall statt?
Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Mauerfalls findet jedes Jahr am 9. November an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in Berlin statt. Ausrichter sind Bund und Land Berlin gemeinsam mit der Stiftung Berliner Mauer.
›Was ist am 9. November 1938 passiert?
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zündeten Nationalsozialisten im ganzen Deutschen Reich Synagogen an, zerstörten jüdische Geschäfte und Wohnungen und ermordeten Hunderte Menschen. Zehntausende jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt.
›Hat die Gedenkstätte Berliner Mauer am 9. November geöffnet?
Ja. Laut Museumsportal Berlin ist die Gedenkstätte am Jahrestag 2026, einem Montag, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Quellen
- Bundesregierung: 37 Jahre Mauerfall – Staatsminister Weimer: „Ein kritisches, wissenschaftlich fundiertes Geschichtsbewusstsein ist heute wichtiger denn je“
- Bundesregierung: Staatsminister Weimer zum Gedenken an die Novemberpogrome
- Bundesregierung: Staatsminister Weimer warnt zum Tag der Deutschen Einheit vor zunehmendem Geschichtsrevisionismus
- Kulturstaatsminister: 65. Jahrestag des Mauerbaus
- Bundespräsident: Steinmeier erinnert am 9. November in Weimar an 1918, 1938 und 1989
- evangelisch.de (epd): Vielfältiges Gedenken zum 9. November geplant
- EKD: EKD-Spitze mahnt zum 9. November zu entschlossenem Einsatz gegen Antisemitismus
- Deutschlandfunk: Evangelische Kirche stellt eigene Rolle nach der Wiedervereinigung infrage
- Nordbayerischer Kurier (dpa): Bundespräsident Steinmeier besucht am 9. November Weimar
- Stiftung Berliner Mauer: 35 Jahre Mauerfall (Dokumentation)
- Stiftung Berliner Mauer: Programm
- Museumsportal Berlin: Gedenkstätte Berliner Mauer
- Berlin gegen Nazis: 9. November 2026 – Veranstaltungen in Erinnerung an die Pogrome von 1938
- Stadt Neubrandenburg: Gedenktage im November 2026
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